27/01/2018 - Dossier

Die neue Schönheit

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Eigentlich sollten wir es besser wissen, doch das allgegenwärtige westliche, weibliche Schönheitsbild wird immer noch wie folgt definiert: schlank, makellos, sexy. Diesem Ideal entsprechen jedoch nur die wenigsten Frauen. Die Folge: ein immer kleiner werdendes Selbstwertgefühl. Doch ein Gegentrend naht: Body Positivity: die positive Einstellung zum eigenen Körper. Sie stellt eine Bewegung, für mehr Akzeptanz und Selbstliebe dar. Wir haben diesem Phänomen ein ganzes Dossier gewidmet.



Kennen Sie die Thigh Gap? So nennt sich die gut sichtbare Spalte zwischen den Oberschenkeln. Oder die Ab Crack? Das ist eine Spalte, die zwischen den Bauchmuskeln verläuft und nur bei einem unterdurchschnittlichen Körperfettanteil sichtbar wird. Diese Trends aus den sozialen Medien begegnen uns jeden Tag. Und sie haben eines gemeinsam: Sie verherrlichen sehr fragwürdige Schönheitsideale. 

Denn welche normale Frau, die weder Model noch Profisportlerin ist, sieht so aus? Genau, kaum eine. Wussten Sie eigentlich, dass eine Konfektionsgröße 38 schon als Übergröße gilt? Die deutsche Durchschnittsfrau trägt übrigens eine 42 – das sind circa fünf Kleidergrößen mehr als die Damen, die uns täglich aus Zeitschriften oder diversen Instagram-Feeds entgegenlächeln. Kein Wunder, dass man sich da irgendwann weniger schön und selbstsicher fühlt. Man vergleicht sich schließlich ständig mit anderen oder ist der Bewertung anderer ausgesetzt. Diese modernen Ideale verunsichern insbesondere junge Frauen, animieren sie zu Diäten oder exzessivem Sportverhalten – beides endet nicht selten in einer Essstörung. Auch die Zahl der Schönheitsoperationen steigt, die Patientinnen werden dabei immer jünger. Warum? Der Druck, einem Ideal entsprechen zu müssen, ist immens geworden. Selbstoptimierung steht an erster Stelle, von Selbstakzeptanz ist dagegen kaum die Rede.


Body Shaming, also sich für seinen eigenen Körper zu schämen, kann in viele verschiedene Richtungen gehen und existiert nicht erst, seit es soziale Medien gibt. Nicht wenige von uns haben eine der folgenden Situationen in ähnlicher Weise schon einmal selbst erlebt: der Vater, der fragt, ob das zweite Stück Kuchen noch sein müsse, die Tante, die sich erkundigt, ob man jetzt gar nichts mehr essen würde, oder die Kolleginnen, die sich hinter dem Rücken darüber austauschen, ob man mit „diesen Oberschenkeln“ nicht lieber einen bodenlangen Rock tragen sollte. Solche Äußerungen bleiben im Gedächtnis hängen und nagen an unserem Selbstwertgefühl.


Zu klein, zu groß, zu dick, zu dünn, schlechte Haut, zu dunkle Haut – alles keine Gründe, sich nicht selbst zu lieben! Dazu stehen glücklicherweise immer mehr Frauen – allen voran Schauspielerinnen und Aktivistinnen wie Lena Dunham oder Amy Schumer, die sich für diverse Körperformen und darüber hinaus für mehr Selbstliebe und Akzeptanz einsetzen. Body Positivity heißt das Stichwort. Diese Bewegung kommt aus dem modernen Feminismus und trägt das Mantra: „Jeder Körper ist schön.“ Eine Einstellung, die aufatmen lässt. Denn wer diese Grundannahme verinnerlicht, dem wird es leichter fallen, sich selbst so zu akzeptieren und lieben, wie er ist.


Frauen sollten ihren Körper nicht mit inszenierten Bildern vergleichen und sich dadurch schlecht fühlen, finden die Body-Positivity-Aktivistinnen. Viele Blogger und Instagrammer gehen mittlerweile sogar selbst gegen die Problematik an, indem sie zeigen, wie schnell man ein Bild manipulieren kann: Realität gegen Inszenierung sozusagen. Eine vorteilhafte Belichtung oder Körperposition kann nämlich so einige Kilos wegschummeln während Fotofilter die Haut in Sekunden gleichmäßiger und faltenfreier aussehen lassen.



Auch große Unternehmen reagieren mittlerweile auf diese erfreuliche Kehrtwende in Sachen Körperbewusstsein: Der britische Online-Versandhandel Asos verzichtet beispielsweise seit 2017 auf Fotoretusche. Ein erster Schritt in die richtige Richtung. Sogar die Barbie-Puppe hat vom Hersteller Mattel eine Generalüberholung erhalten. Die Puppen gibt es von nun an mit realistischen Proportionen in kurvig, groß und klein, die die Diversität der verschiedenen Körperformen widerspiegeln sollen.

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