Aktinische Keratose: Erkennen, einordnen und behandeln
Aktualisiert am , validiert von dem medizinischen Expertenteam.
Hautveränderungen können zunächst unscheinbar wirken und über längere Zeit kaum auffallen. Gerade bei aktinischer Keratose ist es jedoch wichtig, Veränderungen der Haut aufmerksam zu beobachten und ernst zu nehmen.
Je früher auffällige Stellen erkannt und fachlich eingeordnet werden, desto gezielter lässt sich mit ihnen umgehen. Dabei stehen je nach Befund unterschiedliche Möglichkeiten zur Verfügung.
Was ist eine aktinische Keratose und wie erkennt man sie?
Bei einer aktinischen Keratose handelt es sich um eine charakteristische Veränderung der obersten Hautschicht, die durch jahrelange und intensive UV-Einstrahlung entsteht. Dabei verändern und vermehren sich bestimmte Hautzellen, sogenannte Keratinozyten. Sie wird deshalb auch als solare Keratose oder Lichtkeratose bezeichnet (vgl. Leitlinienprogramm Onkologie, 2023).
Aktinische Keratosen entwickeln sich häufig schleichend. Im Anfangsstadium sind die Veränderungen teilweise leichter zu ertasten als zu sehen: Die Haut fühlt sich an einer begrenzten Stelle rau oder sandpapierartig an. Mit der Zeit können die betroffenen Bereiche deutlicher sichtbar, schuppiger oder stärker verhornt werden (vgl. Thamm, 2024).
Typische Anzeichen sind:
- raue oder schuppige Hautstellen
- rötliche, bräunliche oder hautfarbene Veränderungen
- zunehmende Verhornung oder Krustenbildung
- gelegentlich Juckreiz, Brennen oder Druckempfindlichkeit
Besonders häufig entstehen aktinische Keratosen an Hautstellen, die über viele Jahre regelmäßig der Sonne ausgesetzt waren. Dazu zählen vor allem Gesicht, Ohren, unbehaarte Kopfhaut, Dekolleté, Unterarme und Handrücken (vgl. Thamm, 2024).
Ist aktinische Keratose bereits Hautkrebs?
Eine aktinische Keratose wird häufig als Vorstufe von hellem Hautkrebs bezeichnet. Sie ist jedoch noch kein invasives Plattenepithelkarzinom. Die veränderten Zellen befinden sich zunächst innerhalb der obersten Hautschicht und können sich im weiteren Verlauf zu einem invasiven Tumor entwickeln (vgl. Balcere et al., 2022).
Nicht jede aktinische Keratose entwickelt sich zu Hautkrebs. Einzelne Hautveränderungen können über längere Zeit bestehen bleiben oder sich sogar spontan zurückbilden. Gleichzeitig lässt sich bei einer einzelnen aktinischen Keratose nicht zuverlässig vorhersagen, welchen Verlauf sie nehmen wird (vgl. Steeb et al., 2022; Balcere et al., 2022).
Das ist auch der Grund, warum aktinische Keratosen nicht einfach beobachtet oder selbst behandelt werden sollten. Eine dermatologische Untersuchung ermöglicht es, die Hautveränderungen einzuordnen und zu entscheiden, ob und welche Behandlung erforderlich ist.
Aktinische Keratose Grad 1 bis 3: Was bedeuten die Stadien?
Aktinische Keratosen können nach ihrem klinischen Erscheinungsbild in drei Schweregrade eingeteilt werden. Die sogenannte Olsen-Klassifikation beschreibt vor allem, wie stark die Hautveränderungen sichtbar und tastbar ausgeprägt sind. Die Einteilung hilft bei der Beurteilung, bestimmt aber nicht allein, welche Behandlung gewählt wird (vgl. Kandolf et al., 2024).
Grad | Typisches Erscheinungsbild |
| Grad 1 | Frühe, leicht raue Veränderungen, die häufig besser tastbar als sichtbar sind. |
| Grad 2 | Deutlich sichtbare und tastbare, gerötete oder schuppige Hautveränderungen mit stärkerer Verhornung. |
| Grad 3 | Stark ausgeprägte, verdickte und deutlich verhornte Hautstellen. |
Gerade eine aktinische Keratose Grad 1 sollte nicht unterschätzt werden, weil sie noch wenig auffällig ist. Umgekehrt bedeutet Grad 3 nicht automatisch, dass bereits invasiver Hautkrebs vorliegt. Auch die Behandlung richtet sich nicht allein nach dem Grad, sondern unter anderem nach Anzahl, Lage und Ausdehnung der Hautveränderungen. Bei verdächtigen Veränderungen kann zusätzlich eine Gewebeprobe notwendig sein, um ein Plattenepithelkarzinom auszuschließen (vgl. Kandolf et al., 2024).
„Der Grad einer aktinischen Keratose ist nur ein Teil der Beurteilung. Für die Wahl der Behandlung spielen auch Anzahl, Ausdehnung und Lage der Hautveränderungen sowie der individuelle Hautbefund eine Rolle. Deshalb wird die Therapie immer auf die einzelne Patientin oder den einzelnen Patienten abgestimmt.“
Judith Horzel
Apothekerin und Medical Advisor bei Eau Thermale Avène
Wie wird eine aktinische Keratose behandelt?
Welche Behandlung bei einer aktinischen Keratose infrage kommt, hängt unter anderem von Anzahl, Ausdehnung und Lage der Hautveränderungen sowie individuellen Faktoren ab. Eine Selbstbehandlung mit Hausmitteln oder frei verkäuflichen Pflegeprodukten ist nicht empfehlenswert; die Therapie sollte dermatologisch festgelegt werden (vgl. Leitlinienprogramm Onkologie, 2023).
Punktuelle Behandlung einzelner Hautveränderungen
Bei einzelnen oder klar abgegrenzten aktinischen Keratosen kommen verschiedene Verfahren infrage:
- Kryotherapie: Die betroffene Hautstelle wird mit flüssigem Stickstoff vereist und das veränderte Gewebe dadurch zerstört.
- Chirurgische Verfahren: Auffällige oder stärker ausgeprägte Hautveränderungen können beispielsweise abgetragen oder entfernt und anschließend untersucht werden.
- Lasertherapie: Mit einem Laser können veränderte oberflächliche Hautschichten gezielt abgetragen werden.
Welches Verfahren geeignet ist, hängt vom jeweiligen Befund ab (vgl. Leitlinienprogramm Onkologie, 2023).
Flächige Behandlung bei mehreren aktinischen Keratosen
Treten mehrere aktinische Keratosen in einem größeren, durch UV-Strahlung geschädigten Hautbereich auf, kann eine Feldtherapie sinnvoll sein. Dabei werden nicht nur einzelne sichtbare Stellen behandelt, sondern das gesamte betroffene Hautareal berücksichtigt.
Dafür stehen unter anderem ärztlich verordnete Cremes, Gele oder Lösungen sowie die photodynamische Therapie (PDT) zur Verfügung. Bei der PDT wird zunächst eine lichtempfindlich machende Substanz aufgetragen. Anschließend werden die veränderten Zellen durch die Bestrahlung mit einer geeigneten Lichtquelle behandelt (vgl. Leitlinienprogramm Onkologie, 2023).
Tipp: Auch nach erfolgreicher Behandlung bleiben regelmäßige dermatologische Kontrollen wichtig, da neue aktinische Keratosen entstehen können. Wie häufig Kontrollen sinnvoll sind, hängt vom persönlichen Risiko und Hautbefund ab (vgl. Kandolf et al., 2024).
Welche Rolle spielt Sonnenschutz bei aktinischer Keratose?
Konsequenter Sonnenschutz ist bei aktinischer Keratose besonders wichtig, um die bereits lichtgeschädigte Haut vor weiterer UV-Belastung zu schützen. Regelmäßiger Breitband-Sonnenschutz kann außerdem dazu beitragen, dass weniger neue aktinische Keratosen entstehen (vgl. Thompson et al., 1993).
Ergänzend schützen Kleidung und Kopfbedeckung besonders exponierte Hautstellen. Intensive direkte Sonne sollte möglichst gemieden werden (vgl. Leitlinienprogramm Onkologie, 2023).
Medizinischer Sonnenschutz bei besonders gefährdeter Haut
Bei bereits lichtgeschädigter Haut oder einem erhöhten Risiko für aktinische Keratosen kann ein speziell für gefährdete Haut entwickelter Sonnenschutz sinnvoll sein.
SunsiMed KA ist ein Medizinprodukt mit Lichtschutzfaktor 50+ zur Prävention von aktinischer Keratose, Hautkrebs (außer Melanom) und lichtinduzierten DNA-Schäden. Der Breitbandschutz umfasst UVA- und UVB-Strahlung sowie kurzwelliges Blue Light. Das Produkt wurde speziell für empfindliche Haut entwickelt, die einem hohen Sonnenrisiko ausgesetzt ist.
Eine Anwendung am Morgen bietet bis zu 24 Stunden langanhaltenden Schutz.* Bei längerer Sonnenexposition, starkem Schwitzen oder Kontakt mit Wasser sollte der Schutz erneut aufgetragen werden.
Tipp: Besonders exponierte Bereiche wie Nase, Wangenknochen, Stirn oder Handrücken können Sie ergänzend mit dem SunsiStick KA SPF 50+ schützen. Der Stick bietet sehr hohen UVA- und UVB-Schutz für empfindliche, zu aktinischen Keratosen neigende Haut und wirkt nach einmaliger Anwendung bis zu 8 Stunden lang.**
*PCO_22_164, Bewertung der Wirkung von SunsiMed KA Medizinprodukten. Bei längerer Sonnenexposition, starkem Schwitzen oder Kontakt mit Wasser erneut auftragen.m **Wirksamkeitsstudie über 8 Stunden nach einmaliger Anwendung, 20 Testpersonen.
Empfohlene Produkte
Fazit: Hautveränderungen frühzeitig abklären lassen
Eine aktinische Keratose muss nicht bedeuten, dass sich daraus Hautkrebs entwickelt. Dennoch ist es sinnvoll, auffällige Hautstellen nicht über längere Zeit selbst zu beobachten oder mit verschiedenen Mitteln zu behandeln.
Wer die eigene Haut regelmäßig im Blick behält und Veränderungen frühzeitig dermatologisch abklären lässt, schafft die beste Grundlage für einen bewussten Umgang mit der Erkrankung. Auch nach einer Behandlung lohnt es sich, aufmerksam zu bleiben und besonders sonnenexponierte Haut langfristig zu schützen.
Häufig gestellte Fragen
Ja, einzelne aktinische Keratosen können sich spontan zurückbilden. Ob eine bestimmte Hautveränderung bestehen bleibt, verschwindet oder sich weiterentwickelt, lässt sich jedoch nicht zuverlässig vorhersagen. Deshalb sollte eine mögliche aktinische Keratose dermatologisch beurteilt werden (vgl. Steeb et al., 2022).
Auch nach einer erfolgreichen Behandlung können erneut aktinische Keratosen auftreten. Die Haut kann durch die langjährige UV-Belastung bereits großflächig geschädigt sein, sodass sich später an derselben oder an anderen Stellen neue Veränderungen entwickeln können. Regelmäßige Hautkontrollen und konsequenter UV-Schutz bleiben deshalb wichtig (vgl. Kandolf et al., 2024).
Nein. Aktinische Keratose ist nicht ansteckend. Die Hautveränderungen entstehen durch langfristige UV-bedingte Schäden der Hautzellen und können nicht auf andere Menschen übertragen werden.
Aktinische Keratosen treten häufiger mit zunehmendem Alter auf, da sich die UV-Belastung der Haut über viele Jahre summiert. Das Alter allein ist jedoch nicht entscheidend: Auch die individuelle UV-Exposition, der Hauttyp und weitere Risikofaktoren beeinflussen das Erkrankungsrisiko.
Eine bestehende aktinische Keratose bedeutet nicht, dass jeder Aufenthalt im Freien vermieden werden muss. Die Haut sollte jedoch konsequent vor weiterer UV-Belastung geschützt werden. Dazu gehören geeigneter Sonnenschutz, schützende Kleidung und das Meiden intensiver direkter Sonne (vgl. Leitlinienprogramm Onkologie, 2023).
Quellen
Balcere, A., Konrāde-Jilmaza, L., Pauliņa, L. A., Čēma, I. & Krūmiņa, A. (2022). Clinical Characteristics of Actinic Keratosis Associated with the Risk of Progression to Invasive Squamous Cell Carcinoma: A Systematic Review. Journal of Clinical Medicine, 11(19), 5899.
https://doi.org/10.3390/jcm11195899
Kandolf, L. et al. (2024). European consensus-based interdisciplinary guideline for diagnosis, treatment and prevention of actinic keratoses, epithelial UV-induced dysplasia and field cancerization. Journal of the European Academy of Dermatology and Venereology, 38(6), 1024–1047.
https://doi.org/10.1111/jdv.19897
Leitlinienprogramm Onkologie (2023). S3-Leitlinie Aktinische Keratose und Plattenepithelkarzinom der Haut.
https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinien/aktinische-keratose-und-plattenepithelkarzinom-der-haut/
Steeb, T., Petzold, A., Hornung, A., Wessely, A., Berking, C. & Heppt, M. V. (2022). Spontaneous regression rates of actinic keratosis: A systematic review and pooled analysis of randomized controlled trials. Scientific Reports, 12, 5884.
https://doi.org/10.1038/s41598-022-09722-8
Thamm, J. R., Welzel, J. & Schuh, S. (2024). Diagnosis and therapy of actinic keratosis. Journal der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft, 22(5), 675–690. https://doi.org/10.1111/ddg.15288
Thompson, S. C., Jolley, D. & Marks, R. (1993). Reduction of Solar Keratoses by Regular Sunscreen Use. New England Journal of Medicine, 329, 1147–1151.
https://doi.org/10.1056/NEJM199310143291602