17/08/2020 - La revue du web

Wie fühlt sich das Älterwerden an?

Das haben wir drei Frauen unterschiedlichen Alters gefragt. In unserer Kolumne lassen sie uns an ihren Gedanken teilhaben.




avene_bildformate_285x155_lukas_koenig_website_0120.jpg
Wie fühlt sich das Älterwerden an? | Eau Thermale Avène

Foto: Lukas König
 
Marie Jaster, Gründerin des unisex Onlinemagazins Beige.de
 
Mit 25 denkt man nicht über das Altern nach. Die Zeit als Kind ist genauso weit entfernt wie die, in der man Verantwortung für eine eigene Familie übernehmen möchte, man schwebt zwischen dem Austesten und dem Finden seiner Persönlichkeit. Und auch im Bad ist man sich noch nicht sicher: post-pubertäre Hautpflege gegen unreine Haut oder doch schon das erste Anti-Aging-Produkt? Zumindest habe ich mir so immer das Leben mit 25 Jahren vorgestellt. In der Realität sieht es dann aber doch anders aus. Anstatt in der Mitte des Studiums zu stecken und abends wilde Partys in WGs zu feiern, bin ich Gründerin einer eigenen Firma, statt mit Unreinheiten kämpfe ich mit den ersten Stressfältchen um die Augen und dank FaceApp, einer Künstlichen-Intelligenz-App, die voraussagt, wie man im Rentenalter aussieht, weiß ich genau, wie ich mit 70 Jahren aussehen werde.

Ob mir das Angst macht? Nein! Und da spreche ich nicht nur für mich, sondern für alle Millennials, die etwa zwischen 1980 und 2000 geboren wurden. Und warum bereiten uns das Altern, die Aussicht auf Furchen und Falten und das Fortschreiten des Lebens keine Angst? Weil wir jede Sekunde unseres Lebens ausschöpfen und auf die Medizin der Zukunft zählen.

Wir schließen heute mit 17 Jahren die Schule ab, sind mit 24 Jahren mit dem Studium fertig und mit 28 Jahren mit großer Wahrscheinlichkeit bereits erfolgreich im Berufsleben. Wir verschwenden keine Sekunde und wuppen in gleichberechtigten Beziehungen Familie und Job. Beruflich sowie privat sind uns keine Grenzen mehr gesetzt. Warum sollten wir also Angst haben vor der Eieruhr des Lebens, die jede Sekunde abzulaufen droht und uns mit schrillem Ton verkündet, dass jetzt alles vorbei ist? Wir definieren uns nicht mehr über unser Alter.

Dazu kommt, dass uns auch die Wissenschaft das Gefühl gibt, dass das Ablaufen der Uhr noch in ganz weiter Ferne liegt. Kurz gesagt: Wir warten nicht auf den Tod, sondern auf den nächsten Durchbruch in der Medizin. Unheilbare Krankheiten werden heilbar, Prognosen sagen in nur wenigen Jahren eine durchschnittliche Lebenserwartung von über 120 Jahren voraus, dank fortschreitender Entwicklungen
in der Beauty-Branche sieht man uns unser
 biologisches Alter nicht mehr an.

Und was, wenn doch? Dann macht das nichts! Ein langes Leben und die dazugehörigen kleinen Fältchen sind schließlich die neuen Statussymbole unserer Zeit. Models wie Lauren Hutton, die mit 73 Jahren auf dem Cover der italienischen Vogue war, Tippi Hedren, der 88-jährige Star der Gucci-Kampagne, oder Jane Birkin, die in den letzten Jahrzehnten keinen Funken ihrer Schönheit eingebüßt hat, bereiten dem Age-Shaming, also dem ständigen Entschuldigen für sein Alter und sein Aussehen, ein Ende.

Ob ich also Angst habe, wenn ich eines Morgens vor dem Spiegel stehe, mein Hals schlaff ist, die Lachfalten nach einem breiten Grinsen nicht mehr verschwinden und meine Hand mit Altersflecken die schönste Sternenkarte der Welt schreibt? Nein. Ich werde jede einzelne Falte feiern, denn sie erzählt die Geschichte meines Lebens. Und das ist bunt, laut, schnell und alles andere als langweilig – so ist zumindest mein Plan.
 


avene_bildformate_285x155_nick_strutsi_website_0120.jpg
Wie fühlt sich das Älterwerden an? | Eau Thermale Avène

Foto: Nick Strutsi
 
Anna Berge, Art-Direktorin
 
Erst mal vorweg, ich bin 40 Jahre alt, habe drei Kinder und fühle mich jung. Trotzdem kann ich ihn nicht mehr ignorieren, den schleichenden Alterungsprozess. Mein Körper und speziell meine Haut verändern sich, ich brauche seit kurzem eine Lesebrille und ich kann mir Dinge nicht mehr so gut merken wie noch vor ein paar Jahren. Meine jüngeren Kolleginnen finden es lustig, aber auch merkwürdig, wenn ich frage, wie noch mal ihr Nachname war, oder wenn ich eine angesagte Band nicht kenne. Sie merken einen Unterschied und ich auch. Klar, mit Job und den Kindern habe ich viele Dinge, an die ich minütlich denken muss. Da werden unwichtigere Sachen gerne mal vergessen.

Mir fällt auf, dass meine Kolleginnen häufiger ans Altern denken und sich viel mehr davor fürchten als ich in ihrem Alter. Vor allem haben sie Angst vor äußerlichen Veränderungen, obwohl sie alle noch so jung sind und das einfach genießen könnten. Dieser Umstand mag durch viele unterschiedliche Faktoren beeinflusst sein. Medien wie Instagram haben durch die gefilterten und optimierten Bilder sicherlich einen enormen Einfluss auf viele (vor allem jüngere) Menschen. Körperliche Beschwerden hingegen sind noch kein Thema. Das kommt später.

Aber wie war das bei mir früher? Ich versuche mich zu erinnern. Mit 20 war ich gerade am Anfang meines Studiums und fühlte mich jung, stark und sicher. Ich konnte abends lange draußen oder in Bars sitzen, mit Freunden reden, tanzen und war am nächsten Tag nicht wirklich müde. Wenn ich mit meiner zehn Jahre älteren Freundin zusammensaß, die sich über ihre Augenringe und Cellulite Gedanken machte, konnte ich das nicht nachvollziehen. Ich fand sie so, wie sie war, einfach schön. Die ganze Problematik erschien mir sehr weit weg. Ich selber mochte meinen Körper, der nie sehr modelmäßig aussah, meine Haut und meine Haare. Klar, Letztere könnten auch etwas feiner und weniger widerspenstig sein. Und zum Glück hatte ich nie große Probleme mit Akne oder zu großen Poren. Auch mein etwas spezielles schmales Gesicht mit niedriger Stirn und eng beieinanderstehenden Augen hat mich niemals verunsichert. Irgendwie mochte ich immer, wie ich bin. Das habe ich sicher meinem „Dünnmachspiegel“ im Kinderzimmer zu verdanken, der mich hat glauben lassen, dass ich sehr schlank bin, sowie sicherlich auch meiner Mutter, die ein gutes Vorbild war und auch sehr gut mit sich und ihrem Körper klarkam.

Aus diesem Grund bin ich nicht konsequent gegen das Altern vorgegangen und habe im Vergleich zu vielen Freundinnen nicht regelmäßig Cremes fürs Gesicht und den Körper genutzt. Ich habe auch keine Sportart lange verfolgt. Nach den Geburten der Kinder in meinen 30ern habe ich im Anschluss nicht wirklich versucht, gegen die Nachwirkungen vorzugehen. Aber damit ist jetzt Schluss. Ich bin gerade 40 geworden und habe zum Spaß die FaceApp ausprobiert. Es klingt sicher etwas lächerlich, aber in dieser Situation wurde mir das erste Mal in meinem Leben bewusst, dass es ab jetzt stark den Bach hinuntergehen würde. Mein altes Gesicht schaute mich traurig von meinem Handybildschirm aus an. Ehrlich gesagt habe ich bereut, die App heruntergeladen zu haben. Aber ich habe mittlerweile begriffen, dass ich bewusster mit dem Altern umgehen sollte. Ich muss mehr dafür tun, dass ich mich wohlfühle – dazu gehört regelmäßiger Sport genauso wie die tägliche Hautpflege mit geeigneten Anti-Aging-Produkten.

Aber verstehen Sie mich bitte nicht falsch. Meine Falten trage ich trotzdem mit ein bisschen Stolz, und wenn ich glatte Haut sehen möchte, erfreue ich mich an den Gesichtern meiner wundervollen Kinder.




 
avene_bildformate_285x155_peter_lang_website_0120.jpg
Wie fühlt sich das Älterwerden an? | Eau Thermale Avène

Foto: Peter Lang
 
Stefanie Lang, Shiatsu-Praktikerin
 
Ich sitze gerade am Strand von Cascais in Portugal und genieße meinen ersten Urlaubstag. Die Sonne scheint, der Wind weht mir um die Nase und ich beobachte die Surfer, wie sie geschickt die Wellen reiten.
Ich bin jetzt 57 Jahre alt, glücklich verheiratet. Unser Kind ist erwachsen. Ich habe einen Job, der mich ausfüllt und mir Freude bereitet. Finanziell geht es uns gut. Wir haben ein schönes Zuhause mit Garten.
Gerade kommt der durchtrainierte Surflehrer mit seinen Schülern an mir vorbei. Ich schaue ihnen nach und frage mich: Möchte ich noch einmal so jung sein? Ehrlich gesagt, nicht. Ich bin dankbar für das, was ich hatte, und gespannt auf das, was kommt. Gutes wie Schlechtes, es hat mich immer etwas weitergebracht auf „meinem“ Weg. Für mich heißt das, im Lebensfluss zu bleiben. Man kann nichts festhalten. Altern ist ein Lebensprozess, nichts, was es um jeden Preis zu verhindern gilt. Viel zu anstrengend und man verliert am Ende. Das zu akzeptieren, macht es so viel leichter. Es nimmt den Druck der Gesellschaft, immer wie 20 aussehen zu müssen.

Mein Beruf als Shiatsu-Praktikerin unterstützt mich sehr darin, die Veränderungen annehmen zu können. Ich lebe den Moment und versuche nichts aufzuschieben. Ich gönne mir Zeit für mich und kann ohne schlechtes Gewissen etwas liegen lassen. Ich bin viel gelassener geworden und kann Unvorhergesehenes einfacher annehmen als in jungen Jahren. Ich bin bei mir angekommen. Aus dieser Zufriedenheit heraus eröffnen sich ganz neue Möglichkeiten. Das schätze ich so am Älterwerden. Sie gibt mir dann die Kraft, die ich brauche, wenn die Gelenke mal wieder schmerzen, die Hitzewallungen mich nicht schlafen lassen, ich eine neue Falte im Spiegel entdecke, lieber den Einteiler wähle anstatt des Bikinis.

Jedes Lebensalter hat seine Vorzüge. Was nutzt es, der Vergangenheit nachzutrauern? Es stiehlt einem nur die Zeit, das Jetzt zu genießen.

Eine Stimme holt mich zurück aus meinen Gedanken. Pedro, der brasilianische Surflehrer, strahlt mich an und fragt: „Wollen wir surfen gehen?“
 
 

Per E-Mail senden
  • Produktempfehlungen für Ihre Hautprobleme
  • Zugang zu Ihren Lieblingsprodukten und Kommentaren
  • Registrieren Ihrer Einkäufe, um Ihre Treue zu belohnen
Melden Sie sich jetzt an

Suche läuft

Anmeldung erforderlich

Sie müssen sich in Ihr Avène-Konto einloggen, um diese Informationen zu speichern.


Anmelden oder Konto erstellen

You can't post more than one comment on a product

Jetzt Produkt bewerten

* Obligatorische Felder

Meine Anmeldung

-Tag
-Monat
-Jahr

Marken des Pierre Fabre Konzerns :

*Obligatorische Felder

Danke fürs Teilen!

Ihr Kommentar wurde in die Warteschlange gestellt, um von Administratoren geprüft und nach Bestätigung veröffentlicht zu werden.